Na, dann wird ja alles gut, Hauptsache:
VW-Sparpläne: Aktie reagierte mit Sprung nach oben
Die überraschende Einigung auf ein Sparpaket bei Volkswagen hat die Aktien des kriselnden Autokonzerns gestern kräftig angeschoben.
Um fast zehn Prozent ging es für die VW-Vorzugsaktien an der Spitze des deutschen Aktienindex DAX nach oben. Auch die Branchenkollegen BMW und Mercedes-Benz standen klar im Plus.
Quelle:
https://orf.at/stories/3441218/
VW-Sparplan sorgt in OÖ für Unsicherheit
Der Volkswagen-Konzern (VW) hat ein weitreichendes Sparpaket beschlossen. Bis 2030 sollen weitere 50.000 Stellen wegfallen, vier Werke in Deutschland stehen langfristig vor der Schließung. In Oberösterreich beobachten zahlreiche Zulieferbetriebe die Entwicklung genau. Österreichweit hängen laut einer Studie rund 6.300 Arbeitsplätze direkt an VW-Aufträgen.
Der Sanierungsplan mit dem Titel „Zukunftsplan 2030“ wurde am Donnerstagabend vom Aufsichtsrat des Konzerns abgesegnet. Der VW-Konzern will damit seine Kosten deutlich senken und die Rendite steigern. Weltweit beschäftigt der Konzern derzeit rund 600.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
VW als wichtiger Auftraggeber
Für Oberösterreich ist die Entwicklung besonders relevant, weil viele heimische Betriebe direkt oder indirekt für VW produzieren. Laut einer Untersuchung des Supply Chain Intelligence Institute Austria (ASCII), des Logistikums der Fachhochschule Oberösterreich (FH OÖ) und des Complexity Science Hub liefern österreichweit rund 135 Unternehmen direkt an deutsche VW-Werke.
Der Direktor von ASCII, Komplexitätsforscher Peter Klimek, spricht von einer engen wirtschaftlichen Verflechtung: „Wir schätzen, dass ungefähr 6.300 dieser Jobs direkt an Volkswagen als Kunden hängen.“ Besonders stark vertreten seien Unternehmen im Automobilcluster in Oberösterreich und der Steiermark.
Zulieferindustrie passt sich bereits an
Klimek verweist darauf, dass die Branche bereits seit Jahren unter Druck steht. „In den letzten fünf Jahren hat sich die Beschäftigung in der Zulieferindustrie um fünf Prozent reduziert. Die Erwartung ist, dass das demnächst auch so weitergeht“, sagte er im Gespräch mit dem ORF OÖ.
Wie stark sich das aktuelle Sparpaket tatsächlich auf Österreich auswirken werde, lasse sich derzeit aber schwer abschätzen. Viele Entwicklungen seien bereits erwartet worden. „Man weiß schon seit einigen Jahren, dass bestimmte Fertigungslinien bei Volkswagen fraglich sind“, so Klimek.
Der Kunststoffteilehersteller Polytec mit Sitz in Hörsching (Bezirk Linz-Land) sieht derzeit ebenfalls noch keine unmittelbaren Auswirkungen. Ähnliche Diskussionen über Werksschließungen und Stellenabbau habe es in den vergangenen Jahren bereits mehrfach gegeben, umgesetzt worden sei bisher aber wenig.
Hoffnung auf neue Kunden
Nach Einschätzung von Klimek könnte der Umbau bei VW auch neue Chancen eröffnen. Zwar verliere der deutsche Konzern Marktanteile, die Nachfrage nach Autos gehe insgesamt aber nicht stark zurück. Andere Hersteller könnten davon profitieren.
Vor allem chinesische Autobauer bauen ihre Präsenz in Europa aus. Der Hersteller BYD produziere bereits in Ungarn und suche dort lokale Zulieferer. Österreichische Betriebe könnten dadurch neue Kunden gewinnen, sagte Klimek. Einfach sei dieser Wechsel allerdings nicht, weil neue Produktionsabläufe und Anforderungen aufgebaut werden müssten.
Auch Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer sieht die Situation für die österreichischen Zulieferer weniger dramatisch. Das eigentliche Problem liege in Deutschland und bei den dortigen VW-Werken. "Ob jetzt Autos in Spanien oder in Tschechien bei VW gebaut werden, das spielt für die österreichischen Zulieferer nicht die große Rolle. Also das Geschäft geht weiter“, so Dudenhöffer.
Vier Werke ohne Zukunftsgarantie
Der VW-Konzern plant laut dem beschlossenen Paket nicht nur einen weiteren Stellenabbau, sondern auch eine Reduktion der Produktionskapazitäten in Europa um 500.000 Fahrzeuge pro Jahr.
Für die Werke Neckarsulm, Zwickau, Emden und Hannover sei zwischen 2031 und 2034 derzeit keine Folgebelegung gesichert. Alternative Nutzungsmöglichkeiten würden geprüft.
Zudem will VW seine Modellpalette bis 2035 halbieren und Investitionen reduzieren. Gleichzeitig setzt der Konzern auf Wachstum in Nordamerika und auf eine stärkere Vereinheitlichung von Bauteilen und Abläufen.
Wie stark sich die Maßnahmen langfristig auf die österreichische Zulieferindustrie auswirken werden, ist derzeit noch offen. Viele Unternehmen beobachten nun genau, ob den angekündigten Einschnitten tatsächlich konkrete Schritte folgen.
Quelle:
https://ooe.orf.at/stories/3369903/